Die fünfte Jahreszeit

Die fünfte Jahreszeit? Nicht mal die größten Fanatiker fangen mit der Faschingsplanung vor dem 11. November an. Ich muss verrückt geworden sein… Nein, wieso das denn? Ich bin Bayerin. Und als waschechte Bayerin hat die fünfte Jahreszeit für mich ganz und gar nichts mit dem lustigsten Kostüm und dem witzigsten Spruch auf den Lippen zu tun. Was für die Kölner (und vermutlich die meisten anderen Menschen auch) der Fasching ist, das sind für die Bayern nämlich ihre zahlreichen Volksfeste. Die fünfte Jahreszeit – von Ort zu Ort unterschiedlich zwischen August und Oktober.

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Die Faszination daran? Das ist schwierig an einem Punkt festzumachen. Es fängt schon allein mit der Tatsache an, dass ich mir endlich einmal im Jahr nicht den Kopf mit der Frage zermartern muss, was ich nur heute wieder anziehen möchte… Die Frage lautet zur Abwechslung mal nicht „Was?“ sondern allenfalls „Welches?“

Mission: Drei Dirndln und eine Lederhose möchten in den kommenden paar Tagen aus den hintersten Ecken meines Kleiderschrankes befreit und getragen werden. Endlich! Denn meine ganz persönliche Meinung: In einem gut sitzenden Dirndl sieht einfach jede Frau hinreißend aus. Volksfest-„Modesünden“ kommen da eher von den Herren der Schöpfung: Schlackernde Lederhosen? Also ehrlich, Jungs…

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Mit dem ersten Schritt auf den Festplatz zieht der Duft nach frisch gebrannten Mandeln in die Nase. Dazu Schokofrüchte und Lebenkuchenherzen, wohin das Auge reicht. Spätestens dann ist es gewiss: Die fünfte Jahreszeit – sie ist gekommen.

Beim Vorbeilaufen an den bunten Fahrgeschäften prasseln zudem die Erinnerungen an vergangene Jahre ein. Unvorstellbar, welch waghalsige Fahrten ich zu Teenager-Zeiten unternommen habe. Höher, schneller, noch mehr Loopings und Überschläge. Himmel, wie sehr habe ich Top Spin geliebt. Und mein armer Papa hat diesen Wahnsinn auch noch bereitwillig mitgemacht. Heute bekomme ich schon beim Zuschauen einen Drehwurm und beschränke mich eher auf ein paar Runden Autoscooter und eine Fahrt im Kettenkarussell.

Und dann ab ins Bierzelt. A Maß und a Hendl, bitte. Ein kulinarisches Traumpaar! Oder heute doch an Steckerlfisch? Und dazu auf jeden Fall a frische, warme Brezn.  – Selbstverständlich trägt der gemeine Bürger nach dem Fest erstmal eine Erinnerung an die fünfte Jahreszeit auf den Hüften spazieren.

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Das Bierzelt ist übrigens auch der Ort, der meinen Festfreuden dann doch manchmal einen Dämpfer verpasst: Also Leute, aufgepasst:

  1. Ich möchte weder Helene Fischer, noch sonstige aktuelle Chart-Verschnitte hören. Wo sind die Volksfest-Hits a la „Ein Bett im Kornfeld“ abgeblieben?
  2. Auf Festen wird zammgruckt! Man kann zu Dritt schlichtweg keine ganze Biertischgarnitur blockieren. Vor allem wenn es draußen in Strömen regnet…

Aber Schwamm drüber. Zum Glück überwiegen die guten Seiten: Schicke Trachten, leuchtende Fahrgeschäfte und zahlreiche Gaumenfreuden: Eigentlich schon Grund genug für einen Festbesuch. Dabei habe ich das absolute Highlight schlechthin bisher noch nicht mal erwähnt: Freunde und Bekannte, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat? Auf den heimischen Volksfesten trifft man sich bestimmt. Denn in Volksfest-Städten und –Orten kehren die verlorenen Töchter und Söhne mit absoluter Gewissheit zweimal im Jahr heim: An Weihnachten. Und zum Volksfest. So wars schon immer. Das darf man sich unter gar keinen Umständen entgehen lassen.

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Ein letztes Phänomen das mich zum Stutzen gebracht hat: Hochdeutsch? Bei der Verständigung mit Nicht-Bayern habe ich eigentlich gar keine Probleme. In Tracht und Lederhosen sieht das allerdings wie durch Zauberhand etwas anders aus… Nicht nur für den Freund meiner Schwester wird das vermutlich etwas verstörend gewesen sein. Aba mei… Wos heifts?

…Mission: Accomplished!

Eure Marion

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3 Kommentare zu „Die fünfte Jahreszeit

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